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Reiten ohne Stress und Angst [German]

Subtitle: 
Eine Einführung in die Alexandertechnik
Material type: 
AT Focus: 
Alexander Technique
1999
Format: 
Paperback
Size: 
250 x 178 mm.
Language: 
German
ISBN/ISSN/DOI: 
ISBN 3861273373 / 978-3861273370
Publisher: 
Mouritz Bibliography
Cover image: 
Biblio ID: 
BEN999PG3
Base ID: 
BEN999PG3
Short Description: 
Riding Success Without Stress in German.

Reviews

Die Verbindung zwischen Alexander-Technik und Reiten geht auf Alexander selbst zurück, der ein begeisterter Reiter und Pferdekenner war. Was also liegt näher, als ein Buch äber Reiten und Alexander-Technik zu schreiben?

Joni Bentley, eine qualifizierte Reit- und Alexanderlehrerin, hat sich dieser Aufgabe angenommen. Ihr Buch hat ein freundliches, sympathisches Layout. Der Text ist auf jeder Seite in zwei Spalten aufgeteilt. Viele Bilder und Zeichnungen unterstützen die wichtigsten Punkte/Aussagen.

Joni Bentley zeichnet ein eher düsteres Bild von der Art des heute üblichen Reitunterrichts. Selbstherrliche, zum Teil auch schlecht ausgebildete Reitlehrer, die unsensibel, ja sogar brutal mit den Pferden umgehen und ihre Reitschüler aktiv daran hindern, selbst zu denken. Reiter, die aus übermä§igem Ergeiz sich selbst und ihre Pferde zu immer mehr Leistung antreiben und nicht merken, wie diese dabei leiden und sich mehr und mehr verspannen. Und Juroren, die so an den Anblick von verspannten Pferden gewöhnt sind, dass sie dies als normal, ja sogar als gut bewerten.

Dem stellt Joni Bentley einen ganzheitlichen Ansatz entgegen. Für sie ist das Pferd das Spiegelbild des Reiters. Wenn Fehler auftreten, ist dies immer die Schuld des Reiters und nicht die des Pferdes. Sie versteht sich in der Tradition der alten Meister der Reitkunst und sieht in der Alexander-Technik eine Möglichkeit, endlich dieses Wissen wirklich anwenden und dem Pferd ein würdiger Partner sein zu können. Ihren ganzheitlichen Ansatz stellt Joni Bentley auf drei Ebenen vor, wobei diese Ebenen nicht klar voneinander getrennt sind, sondern sich teilweise überlappen und vermischen. Diese drei Ebenen beziehen sich auf 1. Reittechniken, 2. die Alexander-Technik, und 3. mental-emotionale Aspekte. Zu 1. Reittechniken: Hier stellt Joni Bentley das richtige Sitzen in den Mittelpunkt. Sehr ausführlich erklärt sie, ergänzt durch Bilder und Zeichnungen, wie man den richtigen (Dressur-) Sitz findet. Des weiteren werden der Sitz im Schritt, im Trab und im Galopp besprochen. Zu jedem Punkt zeigt sie den Zusammenhang zwischen falschem Sitzen und den daraus entstehenden Problemen für das Pferd auf. Sie gibt eine Fülle von Anregungen und Übungen, um die Sensibilität des Reiters für die Bewegungen des Pferdes und den richtigen Sitz zu entwickeln. Ausgehend vom richtigen Sitz bespricht sie auch den richtigen Gebrauch der Beine und die richtige Kontaktaufnahme zum Pferd über die Zügel. Auch diese Punkte sind sehr sorgfältig und umfassend erklärt und mit praktischen Übungen versehen mit dem Ziel, die Feinfühligkeit und Aufmerksamkeit des Reiters für die eigene Koordination und die Reaktionen des Pferdes zu verbessern. Diese Ebene ist sicherlich die stärkste des ganzen Buchs. Hier finden die Leser eine Fülle von reiterlichen Anregungen, Hinweisen und praktischen Übungen. Schade nur, dass manche human-anatomischen Erklärungen unklar, wenn nicht gar falsch sind. So z. B. die Anweisung, ‘...die Schultern flach auf dem Bustkorb ruhen [zu lassen] ...’ (S.110). Die Schultern ruhen über die Verbindung der Schulterblätter im Rücken, alles andere wird mit Sicherheit zu einem Zusammensinken der Schultern und des Brustkorbs führen.

Zu 2. Alexander-Technik: Joni Bentley stellt zuerst Alexanders Leben vor, ohne auf Einzelheiten seiner Beobachtungen und der Entwicklung seiner Technik einzugehen. Dann stellt sie, unter Berufung auf Walter Carringtons Buch ‘Thinking aloud’, die ‘primäre Kontrolle’ als eine 'gewisse Beziehung' zwischen Kopf, Hals und dem Körper vor, schreibt aber gleichzeitig, dass man sie eigentlich nicht beschreiben kann, und zitiert ausführlich aus einem Artikel von Dilys Carrington, in dem das Prinzip, dass der Kopf führt und der Körper folgt, von den Bewegungen der Vierbeiner abgeleitet und auf die menschliche Koordination übertragen wird. Auf der gegenüberliegenden Seite findet man eine Illustration, die sowohl die falsche als auch die richtige Kopfhaltung darstellt mit dem Hinweis, dass in der Alexandermethode der Kopf zu Beginn jeder Bewegung vorwärts-aufwärts geführt werden mu§. Nirgendwo in dem Buch wird auch nur der Versuch gemacht, die Biomechanik der Kopfkoordination zu erklären, geschweige denn, sie durch einfache Übungen und sensorische Hinweise erfahrbar zu machen. Es folgen:

(a) ein Kapitel über die Unzuverlässigkeit der Sinneswahrnehmungen mit einfachen Dehnübungen als Lösungsvorschlag; (b) ein Kapitel, in dem die ‘Schreckreaktion’ und ihre Auswirkungen auf die Kopfhaltung sowohl beim Pferd als auch beim Reiter vorgestellt werden, ohne weiter darauf einzugehen; (c) ein Absatz, in dem 'Innehalten' ('inhibition') als Teil eines Vier-Punkte-Programms auftaucht: 1. Pause einlegen, 2. Anspannung feststellen, 3. bewu§t loslassen, 4. Aufmerksamkeit wieder auf die Welt richten; und (d) ein Kapitel, in dem die Halbrückenlage als eine Entspannungstechnik vorgestellt wird, mit dem Hinweis, dass man sich durch sie um Jahre jünger fühlt, dass sie die Wirbelsäule verjüngt und sie einem die primäre Kontrolle über den Körper verleiht, ohne dass auch nur ansatzweise erklärt wird, was unter dieser primären Kontrolle zu verstehen ist! Geführt von bildhaften Vorstellungen soll ein Körperteil nach dem anderen entspannt werden (wie kann man eine Kniescheibe entspannen?) und zu guter Letzt soll man die Oberseite des Kopfes hinaus ins Weltall denken und dort mit einem Stern verschmelzen lassen, damit er vorwärts-aufwärts strebt, während man den Rest des Körpers auf den Boden herabhängen lä§t (im Liegen?!). Die Ebene der Alexander-Technik ist eine einzige Enttäuschung und Irritation. Als AT-Lehrer kann man ahnen, worum es Joni Bentley geht, doch Leser, die noch keine Erfahrung mit der AT haben, bekommen nur metaphorische Vorstellungsanweisungen, in der Hoffnung, dass dadurch eine bessere Koordination entsteht. Dabei wird eine ungenaue Vorstellung durch eine andere ungenaue Vorstellung ersetzt und die Leser haben weder etwas über ihren Selbstgebrauch, noch etwas über die Alexander-Technik gelernt.

Die dritte Ebene, über mental-emotionale Aspekte, ist ein Sammelsurium von Platitüden, Gemeinplätzen und New-Age-Gedanken von solcher Banalität, dass es sich nicht lohnt weiter darauf einzugehen, mit Ausnahme von zwei Punkten: Um ganz in der Gegenwart zu sein, stellt Joni Bentley zwei Übungen vor: zum Einen soll man sich Jalousien hinter den Augen vorstellen, die man herunter lassen soll, um ganz in der Gegenwart, sprich in der Au§enwahrnehmung, zu sein. Dies steht in eklatantem Gegensatz zu dem, was wir mit der AT zu erreichen versuchen, nämlich eine gute Verbindung von Innen- und Au§enwahrnehmung, und zum Anderen eine Atemübung, die sie ‘Darth Vaders Atmen’ nennt, bei der man, wie besagte Filmfigur, laut keuchend ein- und ausatmen soll, erst durch den Mund, dann durch die Nase, wobei man bei letzterem Schnarchgeräusche zu Hilfe nehmen soll, um die gleiche Lautstärke zu erreichen! Grundsätzlich ist dazu zu sagen, dass immer, wenn bei der Ruheatmung etwas zu hören ist, z.B. keuchen oder schnarchen, dies auf einer Verengung der Luftwege beruht, und das steht in genauem Gegensatz zu dem, was erreicht werden soll. Alles in allem ist dieses Buch sehr enttäuschend und aus alexandrischer Sicht nicht zu empfehlen. Bleibt uns nur, auf ein besseres Buch zu warten.

© 2001 by Jan Pullmann

Reproduced with permission.

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